Mit Bitcoin einmal um die Welt: Die beeindruckende Geschichte des Bitcoin-Reisenden Felix Weis

 

Felix Weis (28) hat das Unmögliche möglich gemacht: Er ist mit Bitcoin in 18 Monaten einmal um die Welt gereist. In einem Interview mit Coinwelt erzählt er über sich, die Reise und vieles mehr.

 

Felix Weis über Sich:

Ich bin Felix Weis (28) und freiberuflicher Programmierer. Computer, das Internet und Programmieren haben mich schon recht früh interessiert. Mein erstes Programm habe ich für meinen damaligen Grundschullehrer geschrieben, damit er den Notenspiegel einfacher ausrechnen kann. Außerdem interessiere ich mich für Geld. Aber nicht im klassischen „Dan Bilzerian“ Sinne, eher das, was es psychologisch, politisch, sozial und historisch bedeutet.

 

Wieso er sich selbst „Bitcoin-Traveler“ (zu Deutsch: Bitcoin-Reisender) nennt:

Ich bereise die Welt nur mit Bitcoin. Ich besitze keine Kreditkarte und habe mein Bankkonto seit 18 Monaten nicht mehr benutzt. Als Alternative hätte man vielleicht noch Bitcoin Tourist nehmen können. Aber ich habe mal einen Spruch gelesen:

Tourists don’t know where they’ve been, travelers don’t know where they’re going

Rückblickend finde ich passt das ganz gut. Und die Domain war auch noch frei.

 

Wie er auf die Idee gekommen ist, die Welt mit Bitcoin zu bereisen:

Das erste Mal habe ich über Bitcoin 2011 in einem Technik-Blog gelesen. Damals fand ich es jedoch nicht ganz so spannend, weil ich es nicht ganz verstanden hatte. Erst nach dem ersten „Bitcoin Halving Day“ 2012 wurde mir bewusst, dass dieses Kryptogeld eine völlig neue Art von Geld ist, die eben nicht von einer politischen Instanz wie einer Zentralbank immer weiter gedruckt wird. Ich habe mich dann gut 2 Jahre lang mit der Technik hinter Bitcoin auseinandergesetzt, bis ich es vollends verstanden hatte. Es ist wirklich faszinierend.

Ende 2014 war allerdings die generelle Stimmung in Bitcoin sehr betrübt. Viele bezeichneten das Experiment der globalen Währung ohne Banken und ohne Staaten bereits als gescheitert. Ich war dessen nicht überzeugt und wollte es eben mal ausprobieren: Ist Bitcoin schon eine Weltwährung? Wenn ja, dann sollte es doch möglich sein, damit einmal um den Globus zu reisen. Also habe ich mein gesamtes Erspartes gegen Bitcoins getauscht, meinen Rucksack gepackt und bin losgereist. Nach 3 Monaten habe ich dann auch noch meine Kreditkarte in der Türkei durchgeschnitten. Diese hatte ich für den Notfall mitgenommen. Da ich die aber zu keinem Zeitpunkt benutzen musste und mich noch mehr committen wollte, bin ich diesen Extra Schritt gegangen. Nun gab es also kein Zurück mehr…

 

Felix Weis über den Start und das Ende seines Reiseprojekts:

Gestartet bin ich im Januar 2015 in Berlin. Und letzte Woche, also Anfang Juli 2016 bin ich wieder in Berlin angekommen. Insgesamt war ich 18 Monate unterwegs. Ich habe Bitcoiner in 27 Ländern getroffen und Bitcoin dort auch in irgendeiner Form benutzt (direkt bezahlt, getauscht, beides, …). Jetzt will ich erstmal entspannen. Die erste Erdumrundung mittels Bitcoin war zwar möglich aber keineswegs Urlaub. Stellenweise war es super kompliziert jemanden zu finden, der Bitcoin akzeptiert oder zumindest ein paar Geldscheine seiner Landeswährung gegen Bitcoin tauscht.

 

Ob er wirklich nur Bitcoins oder auch Bargeld bzw. Kreditkarten genutzt hat:

Ich habe mir selbst 3 Regeln gegeben:

1. Keine Bank.
Das heißt auch keine Kreditkarte oder Bankkarte. Kein Bankautomat. Kein Western Union, PayPal oder sonstige „legacy“ finance.

2. Bitcoin benutzen wo immer es geht.
Coinmap.org ist ein hervorragendes Tool, um Geschäfte, Restaurants und Hotels zu finden, die Bitcoin bereits akzeptieren. Einige Male ist es mir auch gelungen, einen Gewerbetreibenden, der Bitcoins noch nicht oder kaum kannte, von dessen Vorteilen zu überzeugen.

3. Bargeld nur im P2P-Tausch gegen Bitcoins.
Klassische Wechselstuben durfte ich genauso wenig benutzen wie einen Bankautomat. Nun haben aber viele dieser Länder keinen Euro. Ich habe mich also über das Internet mit anderen Bitcoinern verabredet, um dann Bitcoins gegen deren jeweilige Landeswährung zu tauschen. Insgesamt waren es 19 verschiedene Währungen, die ich mit Menschen auf der ganzen Welt gegen Bitcoin getauscht habe.

 

Wie er sich auf die Reise vorbereitete:

Den Wunsch, eine 1-jährige Weltreise zu machen, hatte ich bereits lange bevor ich Bitcoin kannte. Deshalb hatte ich auch seit ich 21 war immer ein bisschen gespart. Dass ich dieses Ersparte dann vor Reiseantritt komplett in Bitcoin getauscht habe, war der verrückte Teil (lacht).

 

Wie viele Bitcoins er noch besitzt:

Leider zu wenig. Deswegen muss jetzt bald ein neuer Job her, damit ich meine digitale Brieftasche wieder füllen kann.

 

Felix Weis über die Länder, die er bereist hat:

Es waren schlussendlich 27 Länder auf 5 Kontinenten. Die komplette Liste inklusive heutiger Landeswährung:
1. Germany EUR
2. Czech Republic CZK
3. Austria
4. Switzerland CHF
5. Slovakia
6. Hungary HUF
7. Rumania RON
8. Bulgaria BGN
9. Greece
10. Turkey TRL
11. Ukraine UAH
12. Israel ILS
13. Palestine
14. Hong Kong HKD
15. Macau MOP
16. Philippines PHP
17. Australia AUD
18. Japan JYP
19. Micronesia
20. USA USD
21. Mexico MXN
22. Cuba CUC/CUP
23. Venezuela VEF
24. Brazil BRL
25. Argentina ARS
26. UK GBP
27. Finnland

 

Welches von diesen Ländern bzw. welche Stadt er am Bitcoin-freundlichsten empfand:

Eindeutig die USA. Dort allerdings kann ich nur für Hawaii, New York, Austin (TX), und San Francisco sprechen. Interessant ist, dass die Gründe, warum die Leute dort Bitcoin hauptsächlich verwenden, stark variieren. In Hawaii stand der Vorteil von Tourismus mit globaler Währung im Vordergrund. Die Bitcoin Community in der Finanzmetropole New York sah Bitcoin vor allem als Investition, weil sich der Preis seit 2011 so stark entwickelt hat. Die Menschen in Austin sind generell libertär angehaucht und die Themen allmächtiger Staat, Banksystem (Mindestreserve/Fractional-reserve Banking) und generell Autoritäten standen hier im Fokus und wie Bitcoin ihnen helfen kann. Im Silicon Valley und San Francisco sind viele Programmierer/Innen und andere Technikverliebte. Diese sind vor allem – wie ich – an der Technik hinter Bitcoin interessiert.

 

Welches Land bzw. welche Stadt man auf jeden Fall einmal gesehen haben muss (unabhängig von Bitcoin):

Venezuela ist ein wunderbares Land. Leider ist es aktuell aufgrund der Wirtschaftskrise nicht besonders für Touristen geeignet. Aber ich hoffe, dass es den Menschen dort bald bessergeht. Das Land ist eines der vielseitigsten und bietet wunderschöne Naturschauspiele. Den höchsten Wasserfall der Erde, „Angel Falls“ über 900 Meter, kann man dort bestaunen.

In welchem Land es am schwersten war bzw. ist, mit Bitcoin zu bezahlen:

Ehrlich gesagt war es nirgendwo wirklich leicht. Ich bin absichtlich nur in Regionen/Städte gereist, wo mindestens 1 Geschäft auf Coinmap.org vorhanden war oder es jemanden auf LocalBitcoins gab, mit dem man notfalls Cash Trades machen kann. In Cuba beispielsweise habe ich nur meinen „Homestay“ in Bitcoin bezahlen können und mit ihm auch Bitcoins gegen die Touristen- und Landeswährung (Cuba hat 2 Währungssysteme). Das liegt möglicherweise auch daran, dass eine Internet Verbindung nur sehr schwer zu bekommen oder sehr teuer ist. Wifi Karten gibt es für ca. 2 USD pro Stunde und sind für lokale Verhältnisse unbezahlbar, der sozialistische Einheitslohn liegt unter 40 USD pro Monat.

 

Was er jemandem sagen würde, der die Welt mit Bitcoins bereisen will:

DO IT, JUST DO IT! Don’t let your dreams be dreams!
Im Ernst, es ist möglich, wenn man kein Problem damit hat, fremde Leute zu bequatschen und da ich selbst von Bitcoin überzeugt bin hatte ich auch nie das Gefühl, den Leuten etwas aufzuschwatzen, was ihnen nichts nützt.

Außerdem sollte man bedenken, dass es noch einige Zeit in Anspruch nimmt, die Stationen bei denen man mit Bitcoin etwas machen kann, zu finden. All-inklusive Urlaub ist eine Bitcoin Weltreise nicht. Coinmap, LocalBitcoins oder lokale Bitcoin Meetups aber helfen einem dabei, weiter zu kommen. Ein Blick in die Foren kann auch nicht schaden. Die meisten Bitcoiner, die ich getroffen habe, waren hilfsbereite Menschen.

 

Was er unseren Lesern noch mit auf den Weg geben möchte:

Als erster Hinweis für alle Bitcoin Neulinge gilt: Bitcoin ist das spannendste sozioökonomische, globale Experiment was jeher gestartet wurde. Aber es ist und bleibt ein Experiment. Experimente können fehlschlagen. Schlussendlich ist jedoch der empirische Weg der einzige, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Eine staatenlose dezentrale Währung, dessen Sicherheit auf starken kryptographischen Algorithmen basiert, statt dem Vertrauen in bedrucktes Papier, Politiker und (Zentral-)Banken. Wenn mich die Leute fragen ob sie ihr Geld in Bitcoin investieren sollen sage ich immer Nein. Stattdessen sollte man 2 Stunden seiner Zeit investieren um für sich selbst zu recherchieren, was Bitcoin ist und was nicht. Nachdem die oberflächlichen Mainstream Headlines überwunden wurden, finden es dann viele so faszinierend und brauchen keine weitere Führung in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus.

 

Für weitere Informationen und für das englischsprachige Blog von Felix Weis hier entlang.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Felix Weis

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