Know-Your-Customer-Richtlinien bei ICOs verleiten Investoren zur Verwendung gefälschter Dokumente

Know-Your-Customer-Richtlinien sollten bei Initial Coin Offerings (ICOs) Sicherheit und Kontrollen schaffen. Stattdessen fürchten Investoren Datenschutzverletzungen, Identitätsdiebstahl und Erpressung. Deshalb gehen nun einige ICO-Investoren selbst unkonventionelle und rechtlich fragwürdige Wege.

KYC schafft Schwarzmarkt für gefälschte Dokumente

Auf dem Schwarzmarkt im Internet gibt es neue Abnehmer für gefälschte Ausweisdokumente. Bei den neuen Kunden handelt es sich um Investoren, die Token bei einem ICO kaufen wollen. Know-Your-Customer-Richtlinien (KYC), die inzwischen weit verbreitet sind, wurden bei ICOs eingeführt, um in dieser so wenig regulierten Branche ein wenig Rechtssicherheit zu schaffen. Anstatt jedoch den Ruf von ICOs zu verbessern, scheint der gegenteilige Fall eingetreten zu sein.

Bei Telegram gibt es spezielle Chat-Gruppen in denen gefälschte Dokumente angeboten werden. Neben Scans von Ausweisen werden auch gefälschte Selfies und gescannte Bankausdrucke geboten, sodass alle Standardanforderungen für KYC mit dem Einsenden dieser Dokumente erfüllt werden. Die meisten dieser Dokumente stammen aus Russland und können schon für 50 US-Dollar gekauft werden. Die Käufer stammen meist aus den Vereinigten Staaten, China oder Gebieten, die für den Verkauf der Token als nicht zulässig erklärt wurden.

Datenschutzverletzungen und Erpressung

Rund 80 % Token aus ICOs in diesem Jahr werden momentan unter ihrem anfänglichen Preis gehandelt. Die Investition in solche Token ist deshalb riskant. Noch größer werden die Risiken, wenn KYC-Regelungen hinzukommen. Plattformen verschiedener Projekte wurden gehackt und verloren die Daten ihrer Kunden. Bei anderen kam es zu unfreiwilligen Veröffentlichung der E-Mail-Listen. Medienberichten zufolge ist es bei ICOs durch die Einhaltung von KYC-Richtlinien auch zu Erpressungen gekommen.

Investoren wollen sich deshalb durch die Verwendung von gefälschten Dokumenten schützen. Die meisten Krypto-Anleger haben Verständnis für Einhaltung von KYC-Richtlinien bei Krypto-Börsen. Bei ICOs finden sie diese Maßnahmen jedoch unbegründet. Investoren, die rechtlich auf der sicheren Seite stehen wollen, warten deshalb darauf, bis Token auf der Webseite IDEX zum Kauf stehen. Dort müssen nämlich keinerlei Dokumente für die Eröffnung eines Accounts eingereicht werden.

Image via Unsplash

Maik ist Kontaktperson und Chefredakteur von Coinwelt. Seit 2015 beschäftigt er sich täglich mit Kryptowährungen. Nach dem Abschluss seines Betriebs- und Kommunikationsstudiums in den Niederlanden und in Deutschland ist er sogar hauptberuflich damit beschäftigt! Maik findet technische Analysen unglaublich interessant und hofft, dass Bitcoin in einigen Jahren mehr als 100.000 € wert sein wird.

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