Verärgerte ICO-Investoren drohen mit Anwälten

Der ICO-Enthusiasmus des vergangenen Jahres hat sich gelegt. Versprochene Gewinne in zehnfacher Höhe weichen Drohungen von verärgerten ICO-Investoren.

Gute Zeiten für ICOs sind vorbei

Ein Grund für den Erfolg vieler Initial Coin Offerings (kurz ICOs) war, dass jeder daran teilnehmen konnte. Dies ist einer der großen Unterschiede zu einer herkömmlichen Erstplatzierung bei der nur akkreditierte Investoren willkommen sind. Die niedrigen Zulassungsvoraussetzungen hatten jedoch ihren Preis. Viele der neuen Investoren hatten Probleme damit, zwischen einem legitimen und einem zweifelhaften Projekt zu unterscheiden. Nun hoffen die Anleger, die ihr Geld auf das falsche Pferd gesetzt haben, auf Hilfe der Börsenaufsichtsbehörden oder ihrer Anwälte.

So funktioniert es in der Welt der Kryptowährungen jedoch nicht. Natürlich werden auch bei ICO-Projekten Straftaten geahndet. Bei den meisten der gescheiterten Projekte lag es jedoch nicht daran, dass die Entwickler böswillig ihre Kunden betrügen wollten. Viel öfter kam es vor, dass die Teams hinter den Projekten sich völlig verkalkuliert hatten und das Projekt deswegen letztendlich nicht umgesetzt werden konnte. In solchen Fällen sind die Chancen vor Gericht deutlich geringer. Oft haben ICO-Investoren sich vorher nicht richtig mit den Geschäftsbedingungen auseinandergesetzt. Nun suchen sie in eben diesen Zeilen nach Möglichkeiten, um doch einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen.

Transnationale Beschaffenheit der ICOs macht es für Anleger schwer

Sicherheitsverfahren in Bezug auf digitale Coins haben sich in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten verdreifacht. Auch ein Dutzend Sammelklagen gegen unter anderem Paragon Coin, Cloud With Me, Tezos und Latium Network wurden gestartet. Einige der Kläger hoffen auf den Beistand der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde. Dennoch erklärte die Co-Direktorin des Vollstreckungsausschusses der Behörde, Stephanie Avakian, vor kurzem, dass ICO-Fälle, die keinen Betrug beinhalten, wahrscheinlich nicht die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen werden.

Viele der Projektleiter von gescheiterten ICOs werden mit Nachrichten von wütenden Investoren nur so bombardiert. Dort droht man ihnen immer wieder mit rechtlichen Schritten, in der Hoffnung doch einige der Token zu erhalten. Während einigen der Investoren wahrscheinlich die Mittel zur Verfügung stehen, um ihre Drohungen in die Tat umzusetzen, sind diese Verfahren komplex. Aufgrund der internationalen Beschaffenheit vieler ICOs ist oft unklar, welche nationalen Gesetze wo zum Einsatz kommen sollten.

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Corinna ist die Chefredakteurin von Coinwelt. Seit 2016 dreht sich ihre Welt um Kryptowährungen und die Blockchain. Es vergeht kein Tag, an dem Corinna sich nicht darüber ärgert, dass sie nicht gleich am ersten Tag in Bitcoin investiert hat. Besonders spannend findet sie die internationale Rechtslage für Währungen wie Bitcoin. Für die Zukunft hofft sie auf eine positive Haltung der Gesetzgeber und klare Gesetze im Umgang mit digitalen Coins.

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One comment

  1. Es wird für die meisten Investoren wohl in der Tat sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich sein, Gelder zurück zu bekommen, die in die falschen Projekte gesteckt wurden. Es gibt schlicht und einfach keine Handhabe dagegen, wenn ein Projekt scheitert, weil sich die Projektbetreiber verkalkuliert haben.

    Aber, wenn die Betreiber schon nicht wissen, was sie machen, wie soll man als „kleiner Investor“ denn wissen, welche von denen auch wirklich umsetzen, was sie voher so großspurig ankündigen? Dann bliebe wohl nur noch, in solche Projekte zu investieren, bei denen die Betreiber wirklich schon ein „Track-Record“ an Erfolgen haben…

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